Migration und Integration: die Normalität des Fremden
publiziert am 14. Mai 2012In Freistadt leben Menschen aus 36 verschiedenen Nationen.
2008 wurde das Integrationsleitbild mit dem Titel „Einbeziehen statt einordnen“ von der Landesregierung OOE beschlossen. Viele engagierte Einzelpersonen, zivilgesellschaftliche und politische Gruppen und Gremien arbeiteten bei der Entwicklung des Leitbildes mit.
Zur Förderung der gemeindenahen Integration wurden Stadtgemeinden aufgefordert, mit der Agenda Integration eine/n Stadträtin/Stadtrat zu beauftragen und dem Thema Integration somit die gebührende Beachtung zu geben. Denn auf Gemeindeebene müssen alle gesetzten Maßnahmen konkret umgesetzt werden – im direkten Kontakt mit den betroffenen Menschen. Das Sichtbarwerden von Migrant/innen im öffentlichen Raum und das Bewusstmachen des Themas Migration ist in diesem Prozess eine der wichtigsten Maßnahmen.
In Freistadt wurde das Thema Integration vom Ausschuss für Soziales und Wohnen übernommen. Das bedeutet aber nur, dass von einem Ausschuss bzw. von einer verantwortlichen Person (Stadtrat) wesentliche Impulse bzw. die Koordination für übergreifende Maßnahmen für das Querschnittthema Integration ausgehen sollen. Denn Integration muss letztlich Teil aller politischen Arbeitsbereiche, d. h. Thema in allen politischen Ausschüssen sein.
Die Integrationsstelle des Landes OOE, welche die Gemeinden bei integrationspolitischen Maßnahmen unterstützt, betrachtet Vernetzungsarbeit als eine wesentliche Aufgabe. Zur Stärkung der gemeindenahen Integrationsarbeit wird jährlich eine Landesintegrationskonferenz abgehalten, zu der Vertreter/innen aus den verschiedensten Bereichen in regelmäßigen Abständen zum Austausch über Integrationsfragen zusammen kommen.
Landesintegrationskonferenz 2012
Die 5. Landesintegrationskonferenz am 9. Mai 2012 von 10:00 Uhr – 14:00 Uhr im Wissensturm in Linz war dem Thema „Heimat und Identität“ gewidmet. Ziel ist, dass sich eine interessierte Öffentlichkeit bildet, die bereit ist, überkommene Bilder von „Fremdheit“ in Frage zu stellen und einen konstruktiven Diskurs „von unten“ zu starten. Dieser soll eine zukunftsweisende Integrationspolitik unter Einbeziehung aller Menschen zur Folge haben.
Drei Personen aus Freistadt nahmen an der Konferenz teil, eine Vertreterin der Volkshilfe, eine Mitglied des Freistädter Frauentreffs und Hermine Moser von der Gruppe GUT. Alle drei Personen haben keinen direkten Zugang zu politischen Entscheidungen.
Politische Entscheidungsträger/innen der Stadt Freistadt, auch der mit Integration beauftragte Stadtrat, ließen sich diese einmalige Gelegenheit, den persönlichen Horizont zu erweitern und Kontakte für eine effektive Integrationsarbeit zu knüpfen, entgehen.
In der nächsten Zeit folgt eine inhaltliche Darstellung der drei Vorträge auf der Konferenz.
Kann es Heimaten geben?
Von kulturellen Rucksäcken, von Traditionen und Ordnungen
Univ. Prof. Mag. Dr. Christoph Ulf, Historiker, Universität Innsbruck
Im Herzen Österreicher sein, Deutsch lernen und natürlich Leistung …
Über die Ideologie des Monolingualismus in aktuellen Integrationsdebatten und ihre Folgen
Mag.a Petra Neuhold, Soziologin und Kommunikationswissenschaftlerin, Universität Wien
Hybride Identitäten von Muslimen in Europa im Kontext der Debatte um Integration und Zugehörigkeit
Dr.in Naika Foroutan, Sozialwissenschaftlerin, Humboldt-Universität Berlin, Trägerin des Berliner Integrationspreises 2011